Die KölnSPD unterstützt nachdrücklich die Olympiabewerbung des Landes Nordrhein-Westfalen mit Köln als “Leading City”. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sind eine einmalige Chance, dringend notwendige Investitionen in Wohnen, Verkehr, Sportstätten, öffentliche Infrastruktur und Barrierefreiheit sozial gerecht, nachhaltig und verbindlich voranzubringen – mit einem klaren Zeitplan statt weiterem Stillstand. Damit verbunden ist der Auftrag an die SPD im Rat, Land und Bund, die Verwaltung und die Öffentlichkeit, die Olympiabewerbung kritisch-konstruktiv zu begleiten, klare soziale, ökologische und finanzielle Leitplanken einzufordern und sicherzustellen, dass die Spiele kein Selbstzweck, sondern ein Instrument für eine bessere Stadtentwicklung für alle Kölner*innen sind.
Wir werben im Rahmen des Ratsbürgerentscheids am 19. April 2026 für eine Zustimmung zur Olympiabewerbung. Wir fühlen uns in jedem Fall an den Ausgang des Ratsbürgerentscheids gebunden.
Begründung:
Olympische und Paralympische Spiele sind kein Selbstzweck. Wir verstehen sie ausdrücklich nicht als isoliertes Großereignis, sondern als Weg, um zentrale Herausforderungen der Stadtentwicklung konsequenter anzugehen. Leitgedanke dieses Ansatzes ist die Alltagslogik: Erst der Alltag, dann das Event. Richtig genutzt sind die Spiele ein wirkungsvolles Instrument, um notwendige Investitionen in Wohnen, Verkehr, Sportstätten, öffentliche Infrastruktur und Barrierefreiheit zu bündeln, zu beschleunigen und verbindlich umzusetzen – nicht irgendwann, sondern innerhalb eines klaren zeitlichen Rahmens. Zugleich eröffnen sie die Möglichkeit, Landes- und Bundesmittel für Köln zu mobilisieren und damit Maßnahmen umzusetzen, die aus dem städtischen Haushalt allein auf Jahre hinaus nicht realisierbar wären.
Köln steht seit Jahren vor großen Herausforderungen: Wohnraummangel, schleppende Infrastrukturprojekte, sanierungsbedürftige Sportstätten und eine Verwaltung, die häufig im Klein-Klein verharrt. Über vieles wird seit langem gesprochen, zu wenig wird konsequent umgesetzt. Der besondere Mehrwert Olympischer und Paralympischer Spiele liegt darin, dass sie einen klaren zeitlichen Rahmen, internationale Aufmerksamkeit und einen politischen wie administrativen Umsetzungsdruck erzeugen, der diese Blockaden aufbrechen kann. Dabei gilt: Olympia darf den Alltag der Kölner*innen nicht überlasten, sondern muss Verbesserungen beschleunigen, die ohnehin notwendig sind.
Entscheidend ist dabei: Nicht die Spiele verändern eine Stadt, sondern die politischen Entscheidungen, die im Vorfeld getroffen werden. Eine Bewerbung mit Köln als „Leading City“ muss deshalb konsequent an sozialen, ökologischen und finanziellen Leitplanken ausgerichtet werden. Investitionen müssen dem Gemeinwohl dienen. Alle städtischen Investitionen müssen auch nach den Spielen dauerhaft nutzbar sein und einen konkreten Mehrwert für die Menschen in dieser Stadt schaffen – insbesondere für diejenigen, die bislang zu oft zu kurz kommen. Die Paralympischen Spiele sind integraler Bestandteil der Bewerbung. Barrierefreiheit ist kein Zusatz, sondern ein grundlegender Qualitätsmaßstab für Planung, Infrastruktur, Mobilität und öffentliche Räume. Sie muss dabei von Beginn an verbindlich mitgeplant, finanziert und umgesetzt werden – mit klaren Standards, messbaren Zwischenzielen und transparenter Kontrolle. Das betrifft insbesondere den ÖPNV, Bahnhöfe/Haltestellen, Wegeketten im öffentlichen Raum sowie Sport- und Veranstaltungsstätten – damit Teilhabe nicht als Service „irgendwo“, sondern als Zugang „überall“ Realität wird.
Ein zentrales Beispiel für diesen Ansatz ist die geplante Entwicklung des Olympischen Dorfes im Norden Kölns. Mit dem neuen Stadtteil Kreuzfeld wird dort dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden, der weit über die Spiele hinaus Bestand hat. Entscheidend ist, dass dieser Stadtteil bereits vor der Olympiabewerbung geplant und als lebendiges, gemischtes Quartier gedacht wurde: mit einem hohen Anteil an bezahlbarem und gefördertem Wohnraum, guter sozialer Infrastruktur, kurzen Wegen und einer nachhaltigen, barrierefreien Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Barrierefreiheit sollte dabei von Anfang an verbindlich mitgeplant werden – im Wohnungsbau, im öffentlichen Raum sowie in der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. So kann aus einem temporären Bedarf ein dauerhafter Gewinn für Köln entstehen – nicht als Sonderlösung für Olympia, sondern als Beitrag zur Lösung eines der drängendsten Probleme unserer Stadt.
Zugleich nehmen wir die berechtigten Bedenken gegenüber den Olympischen Spielen ausdrücklich ernst. Internationale Erfahrungen zeigen Risiken bei Kostenentwicklung, Umweltbelastungen, Ausgaben für Sicherheitskräfte und Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft und sozialer Verdrängung. Diese Risiken dürfen nicht kleingeredet werden. Sie sind ein klarer Auftrag an Politik und Verwaltung, Transparenz herzustellen, Kosten zu begrenzen und Bürger*innen von Anfang an niederschwellig und barrierefrei zu beteiligen. Es darf keine dauerhaften Belastungen für den städtischen Haushalt geben und keine Infrastruktur, die nach den Spielen brach liegt. Positive Beispiele wie die Spiele von München 1972 oder Paris 2024 zeigen, dass das geht.
Eine Olympiabewerbung ist dann ein Fortschritt, wenn sie hilft, Verfahren zu beschleunigen, Infrastruktur nachhaltig und barrierefrei zu verbessern, Prioritäten zu klären und Ressourcen zu bündeln. Sie ist ein Befreiungsschlag und bringt den Mut auf, Entscheidungen zu treffen, die Köln ohnehin treffen muss. Keine Betonschlacht, keine Parallelwelt für wenige Wochen, sondern soziale, nachhaltige und barrierefreie Verbesserungen, die bleiben. Erst der Alltag, dann das Event.
Bild: Von Sam from Vancouver, Canada – Olympic Flag Uploaded by Smooth_O, CC BY 2.0
